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Rapsfeld
"Rapsfeld", 2003, 115 x 145 cm
Ausstellung vom 23. September - 14. Oktober 2012

Eröffnung-Opening:  Sonntag, 23. September 2012 von 12 - 16 Uhr

Ihre Landschaften sind nie bloße Abbilder von Natur. Sie sind bei ihr, viel offenkundiger als bei anderen Malern, immer auch Seelenlandschaften. Sie transportieren Gefühle. Und sie machen aus dem aufmerksamen Betrachter einen Vertrauten, möglicherweise auch einen Komplizen. Leidenschaftliches und Unberechenbares, Magisches und Phantastisches - aber auch Gefahrvolles schwingt in ihren Bildern mit. Sie erzählen Geschichten. Aber sie lösen auch Geschichten aus.
Prof. Manfred Eichel, Berlin

Eröffnungsrede von Prof. Manfred Eichel, Berlin zur Ausstellung Christine Jackob-Marks "Augenblicke" in Wiesbaden am 23. September 2012

Vor exakt sechzehn Jahren habe ich sie, die Malerin Christine Jackob-Marks und ihre Bilder, nicht weit von hier zum ersten Mal gesehen – und war sofort von ihnen gepackt: auf dem Lerchenberg in Mainz, genauer im Konferenzgebäude des ZDF-Sendezentrums. Ich war vier Jahre davor „aspekte“-Chef geworden und Wolfram Cornelissen, der schon 1990 mit seiner Frau Andrea eine Kunst-Galerie gegründet hatte, war einer der renommierten „aspekte“-Kunst-Experten. Doch wir hatten die Malerin nicht eingeladen – dazu haben Fernseh-Redaktionen keinen Etat und natürlich auch keine Räume. Unser damaliger Intendant Dieter Stolte hatte die Idee, diese Künstlerin auszustellen – vielleicht auch ein wenig, weil sie Mainzerin war, vor allem aber, weil Dieter Stolte wie viele andere vor und nach ihm von der Originalität, der eigentümlichen Kraft damals ganz besonders ihrer Landschaftsbilder angetan war.

Dieter Stolte sagte damals zur Ausstellungseröffnung sehr treffend, dass ihre Bilder voll „wacher Unruhe“ seien – und wörtlich: „Der Grat zwischen Schlafen und Wachen, Ruhe und Sturm, auch zwischen Rosa-Rot und Blutrot, zwischen Abstrakt und Konkret, zwischen Kunst und Wirklichkeit ist bei Christine Jackob-Marks denkbar und sichtbar schmal.“ Und dann wurde Dieter Stolte noch präziser – (Zitat): „Sie ist keine subjektive Stimmungskünstlerin, sondern auch eine politisch couragierte und pädagogisch engagierte Staatsbürgerin, was sie nicht zuletzt mit ihrer Beteiligung am Wettbewerb um das vieldiskutierte Holocaust-Denkmal in Berlin bewiesen hat.“ (Zitatende)

Christine Jackob-Marks führt uns unsere natürliche Umwelt auf eine sehr spezielle Weise vor Augen. Viele Maler malen Landschaften, doch ich meine, mir anmaßen zu können, ihre Landschaften aus den Landschaftsbildern anderer Künstler immer – na sagen wir, so gut wie immer - herausfinden zu können. Es sind ausnahmslos furios gemalte Seelenlandschaften, in die sie uns führt – nie bloße Abbildungen von Natur. Ihre Wälder lodern lichtdurchflutet, als wenn sie in Brand stünden, ihre Wiesen wirken zuweilen zauberisch wie vom Mond beschienen und die Braunkohle-Reviere, die sie in der Lausitz gemalt hatte, geben eindrucksvolle Panoramen gewaltiger Urlandschaften wieder. Kurz: Ihre Landschafts-Interpretationen haben etwas zutiefst Theatralisches. In ihrer sonnendurchglühten Heiterkeit - aber auch in ihrer zuweilen romantischen Dramatik. Dass sie es sich nie leicht macht mir ihrer Kunst, beweisen viele ihrer Gemälde. Manche von denen hatte sie schon in den späten achtziger Jahren angefangen zu malen, dann zur Seite gestellt und sie erst vor wenigen Wochen oder Monaten vollendet – also rund ein Vierteljahrhundert später.

Ich erwähnte vorhin den Begriff „Dramatik“. In diesem Zusammenhang passt sicherlich der Hinweis, dass die Künstlerin als Schülerin noch nicht so recht wusste, ob sie nun Malerin werden sollte - oder vielleicht doch besser Schauspielerin. Jedenfalls hat sie schon als junges Mädchen im Mainzer Zimmertheater mitgemacht - und Schauspielunterricht hat sie damals auch genommen. Doch dann entschied sie sich für ein Kunststudium. Ausschlaggebend war ein Bild von Auguste Renoir: „Les parapluis/Die Schirme“, ein in seiner Komposition wirklich aufregendes Bild aus dem Jahre 1883, vor dem sie in London viele Stunden lang gestanden hatte – und verzaubert war. Aber vielleicht spielte auch die Erinnerung an eine Mainzer Lehrerin eine gewisse Rolle. Die wollte der Sechsjährigen partout nicht abnehmen, dass sie ein in der Klasse abgegebenes Bild selbst gemalt hatte – und nicht ihre Eltern. Die Kleine wollte später jeden Zweifel aus der Welt schaffen, dass sie wirklich malen konnte.

Doch in der Mainzer Provinz wollte sie auf keinen Fall bleiben. Sie bewarb sich für ein Kunststudium in Paris und wurde aufgenommen. An der Hochschule für Bildende Kunst hat sie dann in Berlin weiter studiert – und ist seither in dieser Stadt geblieben. Alan Marks, der weltberühmte amerikanische Pianist, mit dem sie bis zu seinem Tode 13 glückliche Jahre zusammengelebt hatte, gehörte zu ihren ersten Bewunderern. Er wusste immer, erinnert sie sich, „ob der Rhythmus meiner Bilder stimmte oder nicht“.

Die Bilder, die Sie hier sehen, klingen – meine ich jedenfalls. Ihr Rhythmus stimmt. Die Künstlerin versichert sich da vor der Staffelei jedes Mal auf eine Weise, die Sie hier vor Ort selbst überprüfen können. Sie hört dann auf, zu malen, wenn ein Bild von weitem perfekt erscheint. „Es ist,“ meint sie, „ein schlechtes Bild, wenn es nur aus der Nähe wirkt.“ Und doch: Das Nähertreten lohnt sich bei ihren Bildern durchaus – beispielsweise bei den gelben, sanft gewellten Landschaften. Da entdecken Sie kleine, ganz raffiniert eingesetzte blaue Farbpartien. Sie sind es, die dem Bild die fast unmerkliche, aber die ganz besondere Würze geben.

Ihren speziellen Qualitätskontrollen unterzog Christine Jackob-Marks sämtliche Bilder, die sie bisher ausgestellt hat – das heißt: seit mittlerweile etwa 30 Jahren (seit 82/84). Ihre Themen hat sie im Laufe dieser Jahrzehnte beibehalten, ihre Malweise aber hat sie immer wieder verändert. Ihre Landschaften sind, wie ich finde, gestischer, zuweilen gar orgiastischer geworden. Dazu passt, dass sie seit drei/vier Jahren auch Tiere malt: sich aufbäumende Pferde oder vor Kraft fast berstende Stiere oder in ihrer Wucht, ihrer Massigkeit beeindruckende Elefanten. Wenn Sie die in ihren Rückenansichten, also von hinten malt, haben diese Kolosse allerdings dann auch wieder etwas anrührend Komisches.

Menschen hat sie nur hin und wieder mal gemalt oder gezeichnet – und fast immer waren das Akte. Die Modelle hatten dann – meistens jedenfalls - den Kopf vom Betrachter abgewandt. Augenkontakt gab es in der Regel nicht. Das erleben wir inzwischen ganz anders. Ihre neuen Stars, die Tiere schauen immer wieder aus dem Bild heraus, sie suchen geradezu den Blick des anderen. Das ist bei ihren Hundebildern, aber auch bei ihren Portraits von Affen ganz auffallend – und auch bewegend.

Dass Christine Jackob-Marks eine ganz souveräne Malerin ist, beweist ihr Umgang mit Oberflächen. Wie sie beispielsweise die Schrundigkeit einer Elefantenhaut sinnlich erfahrbar macht – in einer Technik, die sie, verständlicherweise nicht verraten möchte. Oder wie sie einen Elefantenkopf in eine Kreuz-Komposition packt. Oder wie sie eine Elefanten-Herde durch ihre Konzentration auf die Stoßzähne in ein fast abstraktes Säbel-Getümmel verwandelt. Das ist – wie bei ihren Landschaften – nie eine Dokumentation, sondern immer etwas sehr Eigenes. Und immer handelt es sich dabei um ganz vorzügliche Malerei.

Christine Jackob-Marks wollte – wie vorhin gestreift – als junges Mädchen mal auf die Bühne – so wie ihre Mutter, die Sängerin werden wollte, so wie ihr Sohn, der Schauspieler geworden ist. Ihre Bühnen sind längst ihre Ateliers und natürlich ihre Galerien – und heute eben die Galerie Cornelissen hier in Wiesbaden.

Doch anders als Besucher einer Theateraufführung müssen Sie sich nicht damit begnügen, Eindrücke lediglich zu speichern. Sie können Sie gerahmt oder als bloße Leinwand hier von der Wand nehmen und diese Eindrücke zu Hause weiter auf sich einwirken lassen – natürlich erst nach einem Gespräch mit der Galeristin. Ich finde, Sie sollten das unbedingt tun.
Presse  Kunst in der Webergasse 3
 
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